Frauenkörper – ich weiß, dass ich nicht weiß

Frauenkörper neu gesehen
Vulva. Pappmaché und Krepppapier

Frauenkörper neu gesehen

Es gibt noch soviel zu erfahren, zu verstehen, zu wissen und zu benennen. Ich weiß, dass ich nicht weiß. Das ist mir bei dem Vortrag ‚Frauenkörper neu gesehen‘ von Dr. Laura Méritt klar geworden. Der Raum war dicht gefüllt mit neugierigen Frauen aller Altersklassen. Den eigenen Frauenkörper besser verstehen, als Weg zu sich selbst. Das Buch ‚A New View on Woman’s Body‘ ist ursprünglich durch die Frauengesundheitsbewegung in den 70ern in den USA entstanden.

Was mich am meisten an diesem Buch beeindruckt, sind die detaillierten Darstellungen der weiblichen Sexualanatomie. Die Klitoris wird in ihrer ganzen Größe gezeigt, mit Perle, weiblicher Prostata und den verschiedenen Drüsen. Das ist in dieser Art und Weise noch nicht in allen Aufklärungsbüchern zu sehen. Es gibt auch heute einige gynäkologische Mediziner*innen, die behaupten, dass diese Darstellungen falsch sind und einige bestreiten, dass es die G-Zone gibt, wie Laura Méritt aus ihren Vortragserfahrungen berichtet.

Nach mehreren Jahrzehnten ist immer noch nicht angekommen und selbstverständlich, wie der Frauenkörper aufgebaut ist und welchen Sinn die einzelnen Organe für die Lust der Frau und/oder die Fortpflanzung haben. Wahnsinn!

Fragen stellen

Was mir an Laura Méritt gleich gut gefiel, ihre Ermunterung Fragen zu stellen, hinterfragen, querdenken, Perspektivwechsel. Weshalb gibt es z.B. Vulva und Vagina, also Unterscheidung von Innen und Außen? Pro familia war früher ein konservativer Verein, Frauen mit Fragen und Ideen sind in den Verein eingetreten, haben die Führung übernommen und pro familia zum Positiven gewandelt. Bei dem Besuch einer neuen gynäkologischen Mediziner*in, die Freundin mitnehmen und Fragen stellen. Nichts als gegeben hinnehmen. Sich zeigen mit all den Fragen und Unklarheiten, das bringt Veränderung.

Frauenkörper
Vulva Schmuckobjekt. Halsschmuck. Vulva in Acryl modelliert, Perle, Pferdehaar und dünnes Stahlseil

Namen geben

Und dann die irritierende Sache mit den Namen und Bezeichnungen… Schamlippen, Schambein, Schamhaare: ein einziges Geschäme. Laura Méritt fragte in die Runde, wie wir unsere Genitalien bezeichnen…Schweigen (mich eingeschlossen)….ein zaghaftes ‚Vulva‘ von einer Frau.

Mir fällt einfach kein schöner Begriff ein. Wie kann ein zarter, sinnlicher, lustvoller und selbstbewußter Name für unser weibliches Geschlecht sein?

Der Begriff Vulva bezeichnet den äußeren Genitalbereich. Vulva kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: Gebärmutter. Wie kann das denn passieren?

Organe und Organbereiche, die nach ihren ‚Entdeckern‘ benannt sind, wie die Gräfenberg-Zone oder die Bartholinische Drüsen. Laura Méritt nannte in dem Zusammenhang den Imperialismus. Weshalb können die Bartholinische Drüsen nicht einfach nach ihrer Funktion benannt werden, Vagina-Vorhofdrüsen, Punkt.

Mythos Jungfernhäutchen: Es gibt die Vaginalkrone/Vaginalkorona ‚Die Korona ist keine Membran, sondern eine elastische Umrahmung des Vaginaleingangs und verschließt diesen nicht.‘ Bei der ersten Penetration kann es zur Blutung kommen, muss aber nicht! Die Unschuld, die Reinheit verlieren….da kommt wieder der Begriff Scham ins Spiel.

Selbstermächtigung

Durch den Vortrag lerne ich Neues und das mit 50 🙂 Ich sehe wie wichtig solche Vorträge sind, wie wichtig es ist dass wir Frauen über unsere Körper reden. Die ganzen Bezeichnungen und nicht-Benennungen der weiblichen Sexualorgane verwirren und verunsichern mich. Und gleichzeitig sehe ich eine große Chance für uns Frauen, uns unseres Körpers wieder selbst zu bemächtigen. Wir Frauen suchen und finden die für uns stimmigen Begriffe für unseren Frauenkörper.

Frauenkörper
Brüste-Vielfalt

Meine Ergänzung

‚Frauenkörper neu gesehen‘ 2012 in überarbeiteter Version von Dr. Laura Méritt herausgegeben, ist ein wichtiges aufklärendes Buch, was mich vor allem durch die anatomischen Zeichnungen begeistert. Der Titel impliziert mir, dass der gesamte Frauenkörper gemeint ist. Mir fehlen in diesem Buch die positiven lustvollen Erklärungen zur weiblichen Brust. Im Glossar steht z. B. nur ‚Brust: siehe Masektomie, Mammographie.‘ Das verbinde ich mit Krankheit, Schmerz und Brustentfernung. Da kommt der After besser weg ‚Sensible erogene Zone‘.

Für meine Skulpturen Workshops ‚Liebe deinen Busen‘ habe ich viel zur weiblichen Brust recherchiert. Die meisten Bücher sind über die Krankheiten der Brust, die Brust als krankes Organ. Meine Empfehlung ist ‚Brustansichten‘ von Dr. Ingrid Olbricht. Ich mag ihre Haltung. Sie schreibt facettenreich und bestärkend über die weibliche Brust. Die Brust als Organ der Kommunikation, des Nährens, der Lust, der Macht, der Potentia. Und sie bezieht viel die Erfahrungen und Sichtweisen von Frauen mit ein. ‚Brustansichten‘ von Dr. Ingrid Olbricht, Orlanda Verlag wird leider nicht mehr aufgelegt…den Orlanda Verlag bitte anschreiben, je mehr Frauen das tun, das kann zu einer Neuauflage führen.

 

Quellen:

‚Frauenkörper neu gesehen‘ Vortrag (2018), Dr. Laura Méritt,

‚Frauenkörper neu gesehen – Ein illustriertes Handbuch‘, (Hg.) Dr. Laura Méritt, Orlanda Verlag 2012 ISBN 978-3-936937-93-0 – Bitte im lokalen Buchhandel bestellen!

Dr. Laura Méritt: www.sexclusivitaeten.de

Fotos, Schmuck und Objekte: Alexandra Kusch

PS:  pro familia hat eine gute Broschüre für Mädchen und Jungen zur körperlichen Veränderungen in der Pubertät

 

Wie sind Deine Gedanken, Wissenswertes, Fragen zum Frauenkörper? Kennst Du Literatur, die den Frauenkörper positiv, bestärkend betrachtet? Gern hier im Kommentarbereich teilen, danke!

 

 

 

2 Responses

  1. Gundula

    Liebe Alexandra,
    vielen Dank für deine Gedanken zum Vortrag! Es ist so schön immer mehr Frauen zu sehen und zu hören, die ihre Stimme zu Themen der weiblichen Sexualität erheben! Ich fühle mich nicht mehr so allein wie vor ein paar Jahren <3
    Mein Buchtipp: Entfalte dein erotisches Potential von Sheri Winston: sehr positiv und unterstützend
    Viele Grüße
    Gundula von den Liebhabereien

    • A. Kusch

      Herzlichen Dank liebe Gundula, ich freue mich über deine Worte! Je mehr wir Frauen über uns, unsere Körper und unsere Sexualität sprechen, desto selbst-bewußter und selbstverständlicher werden wir in uns selbst und damit auch im Außen. Wie Laura Méritt sagte, wenn wir unsere Mitte stärken, dann bekommen wir eine ganz andere Haltung.
      Oh, das Buch kenne ich noch nicht, das macht mich neugierig, danke!
      herzliche Grüße Alexandra

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