Um was geht es eigentlich?

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Eine meiner Lieblingsfragen – Um was geht es eigentlich?

Ein Problem. Ein Problem macht mich neugierig. Probleme gehören zum Alltag. Was ist ein Problem? Das Wort Problem bedeutet griechisch ‚das Vorgeworfene, das Vorgelegte‘ – etwas, was zur Lösung vorgelegt wird. Es gibt eine unbefriedigende Ausgangssituation. Um eine befriedigende Zielsituation zu erreichen, muss ein Hindernis/Problem überwunden/gelöst werden.

 

Was ist hilfreich um ein Problem genauer zu beleuchten, zu erkennen und zu verstehen? Perspektivwechsel ist eine Möglichkeit. In meiner Weiterbildung ‚Lösungsorientierte systemische Beratung‘ hatte Gudrun Woscholski ein schönes Bild. Wir sollten uns vorstellen, dass ein Vogel über unserem Kopf kreist, er umkreist das Problem aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Sobald er anfängt ein Nest zu bauen, fangen wir an uns in eine Lösung zu ‚verlieben’…also Vogel wieder aufscheuchen und weiter umkreisen.

 

Ich denke, dass ist das, was uns schnell passiert, wir verlieben uns in eine Lösung, in die Lösung, die wir durch unsere persönlich eingefärbte Brille sehen. Und somit gehen wir davon aus, das Problem erkannt zu haben. Aber haben wir das Problem wirklich erkannt und in seiner Fülle erfasst und verstanden?

 

Hier ein schönes Beispiel zum Thema Wahrnehmung des Problems. Im letzten Jahr hatte –Das wundersame Aktions Bündnis der Tante Trottoir– auf der Dornröschen Brücke (Hannover) ein weißes Himmelbett aufgestellt (Schnarchgeräusche darunter), Blumentöpfe mit Rosen standen am Geländer, Textfragmente schwebten über dem Bett, auf einem Handlauf war ein Textausschnitt aus dem Märchen Dornröschen und es gab ein großes Banner mit der Aufschrift ‚Wake up Rosie!‘…Der gleiche Versuchsaufbau für alle Passanten, was passierte?

 

Ich fragte: Was macht ihr hier? Sie antworteten: Was meinst du denn? In diesem Fall haben sie mir überlassen, was das Problem/die Frage ist.

 

Meine Idee war, dass die Chortage Herrenhausen eine Werbeaktion machen und gleich ein großer Chor laut singend unter der Brücke hervor kommt und Rosie aus dem 100jährigen Schlaf erweckt. Eine Freundin hatte am Anfang der Brücke ein Graffiti ‚Kampf dem Patriarchat‘ gelesen und sah eine feministische Aktion. Eine Frau hatte nicht ‚Rosie‘ auf dem Plakat gelesen, sondern Poesie, für sie war es eine Politaktion mit Poesie. Und wieder ein anderer war mit dem Motorboot unter der Brücke durch gefahren und dachte, da hätten Freunde einen Koma-Patienten in das Bett gelegt, um ihn wieder ins Leben zu holen.

 

Der gleiche Versuchsaufbau für alle, aber es gibt keine einheitliche Fragestellung. Jeder erkennt eine eigene Fragestellung und eine mögliche Lösung. Unsere erste Eingebung ist gut und wichtig, es gibt aber immer viele andere Möglichkeiten. Alle haben nach einer Lösung gesucht. Eine Lösung, um es einzusortieren, um es sich zu erklären. Und sind nicht alle dieser Fragestellungen/Lösungen möglich?

 

Ich finde das ist ein tolles Beispiel um zu erkennen, dass unsere Wahrnehmung sehr subjektiv ist. Das ein Problem subjektiv ist. Und dass es sich immer lohnt, den Menschen neben mir zu fragen ‚was siehst du?‘ Was passiert, wenn jeder etwas anderes in einem Problem sieht? Wie genau muss ein Problem definiert sein? Und auch hin zu sehen, ist da wirklich ein Problem? Braucht es eine Lösung? Ich hätte doch einfach mit netten Leuten auf dem Bett in der Sonne sitzen können und Spass am gemeinsamen Sein haben…aber offensichtlich fand mein Geist es interessanter, alles einzusortieren. Ist der Mensch so ausgelegt? Oder lernen wir das? Oder hat mein Geist einfach Freude am Spiel?

Um was geht es eigentlich? Das bleibt eine spannende Frage, die ich weiter umkreisen werde mit Beobachtungen, Erfahrungen, Literatur, Fundstücken aus dem Netz und Interviews. Was bedeutet diese Frage für mich als Designerin, als Problemlöserin und den Designprozess?

 

Was bedeutet ein Problem für Dich/für Sie, als Alltags-, Berufs-Held*in? Was löst das Wort:Problem bei Dir/bei Ihnen aus? Ich freue mich auf Deine/Ihre Inspirationen!

 

2 Responses

  1. Bea

    Liebe Alexandra,

    hab lieben Dank für Deinen Artikel, der mich einmal mehr darin erinnert, wie mächtig unsere innere, ureigene Wahl der Perspektive ist.
    Ich bin eingeladen, damit zu spielen, ein-und dieselbe Situation auf sehr unterschiedliche Weisen zu beleuchten.
    Ich empfinde die Vielfältigkeit der möglichen Interpretationen als große Ressource auf dem Spielplatz des Lebens.
    Und mit einem produktiven, gedanklichen „Überbau“, der sich entscheidet, alles, was passiert, als dienlich und hilfreich zu deklarieren für die persönliche Entwicklung, werden auch schwierige Phasen der vermeintlichen Unklarheit am Ende des Tages zu einer Erfahrung, die zu mehr Klarheit führen kann.
    In diesem Sinne habe ich die Wahl getroffen, Probleme als verkleidete Chancen zu betrachten.

    Vom Herzen,
    Beate Kohlmeyer
    http://www.beate-kohlmeyer.de

    • A. Kusch

      Liebe Beate,
      – Probleme als verkleidete Chancen – ein sehr schönes Bild, eine sehr schöne Wahl
      herzlichen Dank!
      Alexandra

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