Interview: Shirin Abedi

Eingetragen bei: Weiblichkeit-Projekt | 0

Interview: Shirin Abedi

Shirin Abedi ist eine junge Photojournalistin mit persisch- deutschen Wurzeln. Wir haben uns im letzen Jahr kennengelernt. Ich durfte ihre sehr persönliche und berührende Fotoausstellung ‚Charchoub – ein Identitätsprojekt‘ mit einer kleinen Laudatio eröffnen.

Weiblichkeit – Wie sieht eine junge Frau auf das Thema Weiblichkeit? Wie ist die Weiblichkeit für eine Frau, die persisch-deutsch aufgewachsen ist? Zwei sehr unterschiedliche Kulturen, wie hat sie sich darin gefunden?

Weiblichkeit-Projekt
Foto © Shirin Abedi

Liebe Shirin, du bist 21 Jahre, was bedeutet für dich Weiblichkeit?
Als Jugendliche war ich unzufrieden mit mir und meinem Körper. Mein negatives Maximum war der Gedanke, mich des Lebens unwürdig zu empfinden wegen meiner Imperfektion. Doch diese Gedanken sind krankhaft. Durch meine jetzigen Freunde, der vielen Reisen und Menschen, die ich kennenlernte sowie ihre Sichtweisen, schätze ich meinen Körper nun. Ich fühle mich weiblich. Es sind die kleinen Satzbau-Änderungen in mir, die vieles verändern.
Ich glaube, Weiblichkeit ist die Kombination aus dem Mädchen, der Frau und den vielen Gefühlen in mir. Ich liebe es meine Arme im Wind auszustrecken, sie wie Flügel gleiten zu lassen und meine ganzen Sinne zu nutzen. Genau dann, denke ich wie schön es ist, in meiner Haut zu sein. Alles wirkt auf mich wie ein Traum.
Außerdem gehört Liebe zu meinem Weiblichkeitsbegriff. Liebe zum Leben, zu meiner Familie und Leuten und Tätigkeiten aber auch die Männer die meine Seele berühren. Bisher war ich einmal verliebt und alle meine Gefühle bezüglich dieser Person, gehören für mich zur Weiblichkeit. Mut und Euphorie und Vertrauen und die Schmetterlinge.. aber auch das Loslassen und mein Tanz mit dem Wind in meiner Freiheit und Neuorientierung. Mein Leben hat manchmal Schmerzen und Ängste für mich, aber es ist traumhaft schön.
Weiblichkeit ist manchmal der Salz auf meiner sonnengebrannten Gesichtshaut während einer Reise und manchmal die verschiedenen Farben auf meinen Lippen und Nägel und die meiner hängenden Ohrringe.

Wie schaust du auf die Weiblichkeit, als persisch-deutsche Frau?
Als eine Iranerin habe ich viele Haare! In der iranischen Kultur, ist es ziemlich normal, wie ich bin. Doch in Deutschland haben nicht mal Männer so viele Haare, geschweige Frauen. Körperbehaarung wirkte in meiner Jugend nicht existent zu sein. Das war ein komisches Gefühl für mich.. ich war anders. Doch mittlerweile bin ich selbstbewusst und akzeptiere mich. Vielleicht auch, weil ich mich mehr als eine Iranerin mittlerweile identifiziere und mehr Leute im Iran wie mich sah, als in Deutschland.

Deine Ausstellung heißt ‚Charchoub – ein Identitätsprojekt‘, in wieweit war Weiblichkeit dabei ein Thema für dich?
In Charchoub versuchte ich mich selber zu finden. Neben meiner Orientierung in den zwei Kulturen und der Distanz die immer ein Teil meines Lebens war, lernte ich mich selber zu akzeptieren. Ich begann das Projekt am Ende meiner Jugend als ein Mädchen. In der Ausstellung war ich aber eine junge Frau. Für das Mädchen waren die Models die sie sah, weiblich. Doch nun ist Weiblichkeit die Diversität der Frauen! Die Unterschiede machen es so faszinierend, nicht die Monotonie. Mit dem abschließenden Selbstportrait versuchte ich mich in meiner Imperfektion festzuhalten. Dieses Bild kann ich mit Anderen nur teilen, weil ich mit mir zufrieden bin und die Makel meiner Haut, welche stellvertretend für alle anderen Makel an mir sind, akzeptiert habe. Jeder wird sein eigenes Urteil über dieses Bild treffen. Ohne Selbstvertrauen, wäre ich zu verletzlich für solche Offenbarungen.

Liebe Shirin von Herzen Dank für das Interview und deine Offenheit. Ich wünsche dir, dass du weiter so neugierig deinen ureigenen Weg gehst!

Shirin Abedi
Foto © Shirin Abedi – Photojournalism and Documentary Photography, HsH
Shirin Abedi
shirinaabedi@yahoo.de
Tel. 015782398101

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.