Interview mit Dirk Heinemann

 

Künstler • Designer + Geld verdienen

 

Hier das 1.Interview mit Dirk Heinemann. Dirk Heinemann

Ob meine These aus dem letzten Beitrag unterstützt oder widerlegt wird?

(Hannover, 03.06.2014)

A.K: Was, wo, wann hast du studiert?

D.H: Ich habe Produktdesign hier in Hannover von 2003-2008 studiert, auf Diplom noch.

A.K: Mich interessiert, wie waren die Lehrinhalte in Bezug auf Preiskalkulation, Verkauf und Marketing?

D.H: Also, Preiskalkulation war nicht in dem Sinne. Marketing hatten wir schon ein paar Vorlesungen, wo das dann grob angerissen wurde. Es war ein Semester im Hauptstudium

A.K: Marketing allgemein? Oder wie das in Unternehmen ist? Oder in Bezug auf die eigene Selbstständigkeit?

D.H: Ja, es waren so allgemeine Grundlagen und wie man das umsetzen könnte. Ich kann mich da nicht mehr so genau erinnern…deswegen war es wahrscheinlich auch nicht so nachhaltig (beide lachen). Ich weiß, dass ein Professor einen Gastdozenten dazu eingeladen hatte, da ging es dann aber mehr um Kreativitätstechniken im Bereich von Marketing, wie kann man neue Ideen sammeln, um Produkte zu bewerben.

A.K: Habt ihr Grundanhaltspunkte bekommen, wie kalkuliere ich einen Preis für mein Produkt?

D.H: Für ein Produkt nicht, eher wie setzt sich ein Stundenlohn vom Designer zusammen und wo sollte der liegen. Da haben wir mal nachgefragt, weil das natürlich interessant ist, wenn man freiberuflich, als Freelancer arbeitet. Wie schreibt man seine Rechnungen und was schreibt man da rauf, das wurde besprochen.

A.K: Aber eher auf Nachfrage, nicht weil es im Lehrplan war?

D.H: Ja

A.K: Interessant…Bist du nach deinem Studium in die Anstellung gegangen, oder in die Selbstständigkeit?

D.H: In die Selbstständigkeit, also erst freiberuflich. Ich habe für einen Professor, der auch selbstständig Arbeitet, Recherche gemacht, wo ich mit einer Matrix Produkte verglichen habe. Und dann als Designer habe ich Möbel- und Produktentwürfe gemacht.

Dirk Heinemann
Kensui

A.K: Hast du dich in Bezug auf Marketing und Verkauf richtig ausgebildet gefühlt, so dass du selbstbewusst an den Markt gegangen bist?

D.H: Nein, muss ich klar sagen. Ich hätte mir gewünscht, in einem Unternehmen 2-3 Jahre zu arbeiten, damit ich die Abläufe noch besser mitbekomme. So z.B. Akquise, ist für mich zum Beispiel ein schwieriger und auch sehr wichtiger Punkt. Das war bei mir nicht so vorhanden, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich habe mich Selbstständig gemacht, weil ich keine Anstellung gefunden habe, es wurde mehr aus der Not geboren.

A.K: Prozentual wie viel gehen bei deinem Studiengang in Anstellung und wie viel in die Selbstständigkeit, kannst du das in etwa sagen?

D.H: ich würde sagen 10-15% gehen in die Selbstständigkeit, wobei man sagen muss, das viele jetzt etwas anderes machen, weil sie nichts gefunden haben. Das ist die traurige Bilanz

A.K: Aber vielleicht auch ein Stück weit normal heute, als Quereinsteiger wird die Kreativität einfach anders gebraucht. Was machst du heute?

D.H: Ich bin jetzt als Pfeifenmacher selbstständig. Ich fertige nach meinen eigenen Entwürfen und Ideen Pfeifen an. Ich verkaufe die dann über das Internet, über Internetanbieter, oder auf Messen.

A.K: Hast du deine ersten Kunden über Akquise und Messen bekommen?

D.H: Ich bin über ein Pfeifenmacherforum , wo es eine Galeriefunktion gab, wo jeder Pfeifenmacher seine Sachen zeigen konnte. Da sind viele Kontakte entstanden, weil da viele Sammler rein schauen. Und ich habe darüber Verkäufer kennengelernt. Und natürlich auf Messen, da ist das Stichwort: netzwerken wichtig! Es hat natürlich gedauert, sowohl die Preisgestaltung und auch regelmäßiger Verkauf, da muss man schon einen langen Atem haben.

A.K: Preisgestaltung, hast du für den Anfang zu niedrig oder zu hoch angefangen, oder kann man das gar nicht so genau sagen?

D.H: Aus Sicht des Kunden wahrscheinlich zu hoch. Aber ich habe eigentlich schon relativ gut angefangen. Aber natürlich zu wenig, um davon leben zu können. Der Aspekt des Bekannt-sein ist in Sammlerkreisen wichtig. Auch wenn die Qualität schon stimmt, kann man dann noch nicht den Preis nehmen wie eine bekannter Pfeifenmacher. Es ist halt wichtig sich auf Messen zu stellen und sich dadurch bekannter zu machen, um dadurch seine Preise anzugleichen.

Dirk Heinemann
Jumping Blowfish

A.K: Wie kam es, dass du dich in diese Richtung spezialisiert hast?

D.H: Das war Zufall, ich habe es als Hobby, schon während des Studiums angefangen. Es ist auch ein Designprodukt, ein Gebrauchsobjekt was gestaltet werden muss. Was funktional ist und technischen Anforderungen unterliegt. Ich bin da so rein gerutscht, hab immer mehr verkauft und mein Name wurde bekannter. Es hat sich ein Netzwerk gebildet…Es hätten nicht unbedingt Pfeifen sein müssen, es hätten auch Möbel sein können. Nur da ist der Markt sehr groß.

A.K: Ja, mit den Pfeifen hast du einen speziellen Markt. Kannst du heute davon leben?

D.H.: Noch nicht ganz, zur Zeit habe ich noch einen Nebenjob. Aber meine Preise sind in der Zwischenzeit so, dass es zukünftig geht. Es gibt viele Pfeifenbauer, die nicht reich werden, aber davon leben können.

 

Vielen Dank Dirk! Wer mehr von Dirk Heinemann und den wunderbaren Pfeifen wissen möchte:

www.heinemannpipes.de
www.heinemann-produktdesign.de

Das Copyright der Fotos/Produkte liegt bei Dirk Heinemann.

 

Das nächste Interview ist in Arbeit…seid gespannt!

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